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Im Auge der Kamera

Die Kunstfertigkeit der Vorfahren

Zum Auftakt der Saison präsentiert das Museum Roemervilla „Fotografie und Archäologie“ mit Aufnahmen von Werner Baumann

Ahrweiler. Die gute Nachricht gab es vorab. Bürgermeister Guido Orthen berichtete den Vernissage-Gästen freudig: „Die Saison 2010 war für das Haus ein Erfolg! Mit 24.000 Besuchern konnten im Vergleich zum Vorjahr 1.500 Gäste mehr gezählt werden.“ Dann galt die Aufmerksamkeit den Artefakten: Der goldene Fingerring aus dem 1. bis 2. nachchristlichen Jahrhundert, die frühmittelalterliche merowingische Münze oder der weißgraue mindestens 400 Jahre alte Trichterhalsbecher aus Keramik - es sind solche staunenswerten Objekte, die in der Ausstellung „Fotografie und Archäologie“ deutlich machen, wie reich das nördliche Rheinland-Pfalz an außergewöhnlichen archäologischen Fundstücken ist.

Die Kunstfertigkeit der Vorfahren

Die entstand in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesarchäologie Koblenz und der Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, bei der Eröffnung vertreten durch ihren Vorsitzenden Dr. Hans-Helmut Wegner. Im Fokus stehen die Objekte aus 500.000 Jahren Menschheitsgeschichte der Region zwischen Rhein, Ahr und Mosel, aber, damit untrennbar verbunden, auch das Medium Fotografie mit seinen Möglichkeiten, „uns die Kunstfertigkeit der Vorfahren näher zu bringen“, wie Bürgermeister Guido Orthen betonte. Wegner verdeutlichte, dass nach wie vor präzise Zeichnungen vonnöten sind, um Fundstücke perspektivisch darzustellen. Der Wert der Fotografie für die Archäologie liege „im Heranrücken des Details“. Sie eröffne so „einen optisch emotionalen Zugang“. Der teilte sich mit im Erstaunen der Besucher etwa über die im Lichtbild vielfach vergrößerte Goldmünze mit stilisiertem Kopf und Stadtnamen. Obgleich das originär Kleine nun vergleichsweise riesig erscheint, zeigt sich ein gestochen scharfes Bild, welches das eigentümliche Formenvokabular ungemein plastisch vor Augen rückt. Einzigartig modellieren Licht und Schatten auch die Körper und den Faltenwurf eines religiösen Reliefmotivs auf einem in Koblenz gefundenen Siegburger Steinzeuggefäß des 16. Jahrhunderts. Lebendig springt dem Foto-Betrachter ein als Fabeltier aus Panther und Fisch geformter Silbergriff entgegen, Überbleibsel eines römischen Metallgefäßes aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus.

Alle Aufnahmen verweisen natürlich auf die Meisterschaft des Fotografen. Der mehrfach mit dem Staatspreis Rheinland-Pfalz und anderen Preisen ausgezeichnete Höhr-Grenzhausener Fotografenmeister, Diplom-Ingenieur und Diplomdesigner für Fotografie Werner Baumann hielt sich während der Reden bescheiden im Hintergrund, plauderte aber locker aus dem Nähkästchen, als ihn einige Gäste zu den Exponaten befragten. Eine einschlägige Veröffentlichung liegt ebenfalls vor. Es ist das von Baumann großartig bebilderte Buch „Archäologie – ausgesuchte Funde vom Mittelrhein“. Doch entstand dieser Bildband nicht, wie es üblicherweise der Fall ist, für die Ausstellung. Vielmehr hat er die Präsentation erst angeregt, was für die herausragende Qualität dieses Werks spricht.
„Fotografie und Archäologie“ ist bis 10. Juli dienstags bis sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. "- HG -"

Quelle: Blick aktuell, Bad Neuenahr vom Mittwoch, 13. April 2011, Seite: 8

Einen Bericht über die Ausstellung finden Sie auch in einem Artikel des General-Anzeigers.